| Schwellenländer : Das Müllproblem |
| Geschrieben von: Vinzenz Leutloff |
| Mittwoch, den 12. Oktober 2011 um 14:18 Uhr |
Privatisierung kann Müllproblem lösenDa sich die Abfallwirtschaft in Schwellenländern noch am Anfang befindet, kämpfen diese gegen wachsende Müllberge. Mit wachsender Bevölkerung, hohem Wirtschaftswachstum und zunehmender Urbanisierung steigt in den Schwellenländern nicht nur der Konsum, sondern auch das Müllaufkommen, wie das Team von UBS Global Asset Management mitteilte. Wie einzelne Länder sich dieser Herausforderung stellen und welche Rolle Nachhaltigkeitsinvestoren dabei spielen können, erläutert Raphael Lüscher, Portfoliomanager bei UBS Global Asset Management. Herr Lüscher, wo sehen Sie das Hauptproblem der Müllentsorgung in Schwellenländern? Lüscher: Die größte Schwierigkeit ist die fehlende Infrastruktur für die Müllabfuhr, -verarbeitung und -entsorgung in diesen Ländern. Nach Angaben der Weltbank werden in den Schwellenländern 30 bis 60 Prozent des städtischen Festmülls nicht abgefahren – weniger als 50 Prozent der Einwohner haben Zugang zu einer geregelten Müllentsorgung. Der Müll fällt aber selbstverständlich trotzdem an, die Müllmenge nimmt sogar noch zu: So kommt es zu unkontrollierten Müllverbrennungen oder zu wilden Müllhalden. Die Folgen dieser Entsorgungspraxis sind drastisch: Sie beeinträchtigen nicht nur das städtische Leben sondern gefährden ganz massiv die Gesundheit der Menschen in diesen Ländern. Können Sie ein Beispiel dafür geben? Lüscher: In Mexiko steckt die Müllentsorgung – wie in vielen anderen Ländern auch – noch in Kinderschuhen. Bislang entsorgen die Mexikaner nur rund 30 Prozent ihres Abfalls auf Mülldeponien, während mehr als 35 Prozent einfach in die Landschaft gekippt werden. So können Giftstoffe aus den wilden Deponien ungehindert in das Grundwasser sickern und das Trinkwasser belasten. Eine Lösung können Recyling-Verfahren sein, die zum einen die Müllmenge reduzieren und zum anderen eine effizientere Nutzung von Rohstoffen erlauben. So ist Mexiko der weltweit zweitgrößte Verbraucher von Getränkeflaschen aus PET. Das verursacht riesige Abfallmengen. Die könnten sich über einen Wiederverwertungskreislauf reduzieren lassen. Wie kommen da private, an nachhaltiger Entwicklung interessierte Kapitalgeber ins Spiel? Lüscher: Meiner Meinung kann das drängende Müllproblem in den Schwellenländern nur über Privatisierung auf allen Stufen der Wertschöpfungskette von der Abfallbeseitigung bis hin zum Recycling gelingen. Die bisherigen Versuche, die Müllabfuhr, -verarbeitung oder -entsorgung durch die Gemeinden organisieren zu lassen, erscheint wenig effizient. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist das Investment in heimische Abfallunternehmen eine gute Lösung: Mexikanische Abfalldienstleister oder chinesische Firmen, die Lösungen zur Müllverbrennung oder zum Recycling von Altmetallen anbieten, leisten einen positiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in diesem Bereich. Quelle: UBS Global Asset Management |
