Deutschland : Banken sehen Handlungsbedarf
Geschrieben von: Vinzenz Leutloff   
Mittwoch, den 19. Oktober 2011 um 16:14 Uhr
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Deutschland : Banken sehen Handlungsbedarf
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Basel III erfordert Lösungen

Laut einer Umfrage von Allianz Global Investors erwarten 86 Prozent der Institute negative Auswirkungen der neuen Liquiditätsvorschriften auf die Zinsspanne.

Die Umfrage wurde im September 2011 in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) unter 125 Banken und Sparkassen durchgeführt.

„Die im Rahmen des Regelwerks Basel III in Kraft tretenden neuen Liquiditätsvorschriften werden sich fühlbar negativ auf die Zinsspanne der deutschen Kreditinstitute auswirken“, lautet es in einer aktuellen Mitteilung von Allianz Global Investors.

Zwar würden die entsprechenden Liquiditätsregeln von Basel III erst im Jahr 2014 in Kraft treten, dennoch sind die Auswirkungen so gravierend, dass viele Institute bereits heute „Handlungsbedarf“ sehen.

Angst um Zinsspanne

Zinsen

Im Einzelnen ergab die Befragung, dass knapp die Hälfte der Institute eine Verringerung der Zinsspanne, also ihres Zinsüberschusses in Relation zur Bilanzsumme, um bis zu 0,1 Prozentpunkt erwartet. Ein weiteres Drittel geht von einem Rückgang um 0,1 bis 0,3 Prozentpunkte aus, und sechs Prozent der Kreditinstitute befürchten einen noch stärkeren Rückgang.

„Die Umfrageergebnisse bestätigen in der Breite unsere Einschätzung, dass die neuen Liquiditätsvorschriften einen großen Einfluss auf die Ertragssituation der deutschen Kreditinstitute haben werden. Denn hinter diesen eher kleinen Zahlen verbergen sich materiell große Auswirkungen. Im Verlauf der letzten Jahre ist die Zinsspanne der deutschen Banken kontinuierlich gesunken, 2009 lag sie im Schnitt bei 1,14 Prozent. Ein Rückgang um 0,1 Prozentpunkte bedeutet daher eine fühlbare Ertragsschmälerung“, so Henning Schneider, Leiter Vertrieb Banken bei Allianz Global Investors.

Praktisches Beispiel

Für eine mittelgroße Kreditgenossenschaft mit einer durchschnittlichen Bilanzsumme von 620 Millionen Euro bedeutet dies eine Ertragseinbuße von über 600.000 Euro pro Jahr.

Um sich frühzeitig auf die drohenden Ertragsverringerungen vorzubereiten, steuert die große Mehrheit der befragten Institute bereits heute gegen. Fast die Hälfte (58 der 125 Häuser) gab an, auf der Suche nach neuen Ertragsquellen im Eigenanlagegeschäft, dem Depot A, zu sein.

Weitere Anpassungsmaßnahmen sind der Umfrage zufolge eine aktive Veränderung der Bilanzstruktur (55 Institute) sowie eine Ausweitung des Kreditgeschäfts (42 Häuser). 17 Institute erklärten dagegen, Anlageentscheidungen im Rahmen des Depot A zunächst zurückzustellen (Mehrfachnennungen waren möglich).

Bei der aktuellen Unsicherheit, welche Wertpapiere im Rahmen von Basel III für die Liquidity Coverage Ratio, also zur kurzfristigen Liquiditätsdeckung, anerkannt werden, ist eine gewisse Zurückhaltung bei der Eigenanlage zwar verständlich –sie ist aber nicht zielführend.