Fonds : Branche im Wandel
Geschrieben von: Vinzenz Leutloff   
Montag, den 01. März 2010 um 01:00 Uhr
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Kommentar: Fondsbranche unter Zugzwang

Erschüttert durch die Lehman Pleite und US Hypothekenkrise leidet die Fondsbranche auch weiterhin an den Nachwirkungen.

Viele Immobilienfonds rund um den Globus sind de facto nicht in der Lage den großen Ansturm von verunsicherten Anlegern auszuzahlen.

Aber auch mit Blick auf die globalen Aktienmärkte hatte 2008 verheerende Wirkung, weil der Ansturm von Kunden viele Fondsmanager zwang große Positionen abzustoßen.

Da das aber in diversen Gesellschaften rund um den Globus geschehen ist, fehlte es an Käufern auf den hohen Kurniveaus, wodurch die Kurse dann in den Keller gingen, weil die Fondsmanager verkaufen mussten um Anleger auszuzahlen.

Angebot und Nachfrage bestimmt den Preis.

Das war dann die Gelegenheit für Hedgefonds und auch für die angeschlagenen Banken, die nun günstig die großen Aktienpakete der Kapitalanlagegesellschaften auffangen konnten. Die große Verunsicherung der Anleger nach der Pleite Islands sorgte dafür, dass viele Anleger sparten und weiterhin kaum Käufer zurück in die Aktienmärkte kehrten.

Kurzerhand entschieden die Zentralbanker der Industriemächte die Zinsen so tief zu senken, so dass Sparen oder Termingeld nicht mal mehr die Inflationsrate deckt, da die Banken zumindest auf der Haben Seite Zinssenkungen durchreichen.

Nahezu gezwungen kehrten dann in 2009 die Anleger in den Markt zurück. Das war dann wieder gut für die schwer angeschlagenen Banken, die nun ihre aufgefangenen Aktienpakete wieder teuer abstoßen konnten.

Die Fondsbranche aber hatte das Nachsehen. Während Anleger, die direkt Aktien kaufen, sehr flexibel in der Umschichtung des Depots sind, sind klassische Fondsanleger eher langzeitorientiert.

Die Rezession, drohende Staatspleiten in Griechenland und Spanien, die Einführung einer chinesischen Welthandelswährung, der Nah-Ostkonflikt und viele andere Themen machen langfristige Investitionen schwierig.

Der klassische Fondanleger ist männlich, gehobenen Alters, mit gehobenem Einkommen und gutem Bildungsstand und ist weitgehend über die Medien gut informiert. Es geht um sein Geld und nicht selten um Anlagesummen mit denen man auch eine Eigentumswohnung oder ein Haus kaufen könnte.

Kapitalanlagegesellschaften stehen unter dem Druck neue Produkte zu entwickeln, die unter den gegebenen Marktbedingungen noch genügend Anleger finden und die Sicherheit bieten, die heutige Anleger erwarten.

Auch im B2B Bereich vollzieht sich mit der Finanzkrise ein Wandel in den Kundenanforderungen.

Meiner Ansicht nach wird die Fondsbranche drastisch konsolidieren. Allein in Deutschland gibt es über 10.000 Fonds. Für Anleger ist die Vielzahl nicht mehr transparent, und die Produkte selbst sind oft zu beratungsintensiv. Investitionszeiträume von 10-30 Jahren sind nicht mehr zeitgemäß.

Der Konkurrenzkampf hat in den letzten Jahren bereits die Aufgabeaufschläge von früher üblichen 5 Prozent für Fonds fast überall verschwinden lassen und damit die Gewinnmarge der Kapitalanlagegesellschaften und Vermittler.

Klar im Trend der Anleger bei Fonds liegen mittlerweile ETFs, da diese eben nicht mehr eine langfristige Bindung verlangen, sondern flexibles und kurzfristiges Handeln bei ausreichender Liquidität möglich ist.

In 2009 waren vor allem ETFs von BlackRock, der Societe Generale und der Deutschen Bank mit großen Marktanteilen die Market Mover.
Insbesondere die Deutsche Bank konnte mit diversen neuen ETF´s viele Anleger hinzugewinnen.

Aber auch andere Gesellschaften haben den Trend erkannt, so dass nun auch Credit Suisse, die UBS Bank und Goldman Sachs in den ETF-Markt dringen.